Die Geschichte des Theatervereins


Etwa 4 Kilometer westlich von Kaufbeuren, auf der Höhe des urzeitlichen Wertachufers, liegt das Dorf Kleinkemnat, heute ein Stadtteil von Kaufbeuren/Allgäu. Nicht weit davon befindet sich der ehemalige Herrschaftssitz Großkemnat, eine Burg, die im Jahre 1805 im Zuge der Säkularisation abgerissen wurde. Der Bergfried der mittelalterlichen Anlage ist in Resten stehen geblieben. Im 19. Jahrhundert glaubte man in den Buckelquadern des Turms römisches Mauerwerk zu erkennen und benannte ihn kurzerhand „Römerturm“. Der Name ist ihm bis heute geblieben. Die Römer aber haben dieses Bauwerk nicht errichtet, sondern um das Jahr 1185 die Herren von Apfeltrang (Afiltranc). Bald nannten sie sich auch nach ihrer neuen Burg die Herren von Kemnat. Volkmar II., genannt der Weise, verheiratet mit Mechthild von Arbon (Schweiz), war wohl der bedeutenste Mann seines Geschlechts. Stadtvogt von Konstanz, Stadtgründer von Arbon, Stifter des Zisterzienserinnenklosters Oberschönenfeld und nicht zuletzt Erzieher König Konradins, des letzten Staufers. Zu seinen Lebzeiten war Burg Kemnat eine Stätte der Künste. Minnesänger wie Meister Kelin und Rumelandt von Schwaben waren seine Gäste und rühmten in ihren Liedern den edlen Hausherrn. Ein Vorfahre von Volkmar, Albrecht, war selbst Dichter. Leider sind seine Werke bis auf wenige Bruchstücke verloren. Später lebte auf der Burg das Geschlecht der schwäbischen Benzenauer. Simprecht von Benzenau verkaufte Herrschaft und Gerichtsbarkeit an das Stift Kempten. Dort verblieb der Besitz bis zur Auflösung im 19. Jahrhundert.
Der Theaterverein Burgspiele Kemnat e.V. wurde als Theaterverein Kemnat 1924/25 gegründet. Bis zum Jahr 1963 spielte man im Theatersaal des Kemnater Gasthauses, Volks- und Heimatstücke mit großem Erfolg. Nachdem der Theatersaal aus baulichen Sicherheitsgründen geschlossen werden musste, wurde es für einige Jahre still um den Theaterverein, der sich jetzt mehr in gesellschaftlichen Veranstaltungen wie Bällen und Theaterfahrten engagierte. Der Verein blieb aber bestehen. 1985 feierte Kemnat bei Kaufbeuren das 800-jährige Jubiläum seiner Burg mit einem großen Fest. Bei einem kleinen Theaterstück aus der Feder eines Vereinsmitglieds bekamen die Mitwirkenden Lust zu neuen Taten. Man wollte wieder Theater spielen. Peter Pius Irl, gebürtiger Kaufbeurer, Schauspieler und Regisseur am Bayerischen Staatsschauspiel in München, wurde zu Rate gezogen. Er machte den Vorschlag zu Freilichtspielen mit historischen Stoffen aus der eigenen, reichen Geschichte. 1987 verfasste er ein Stück mit dem Titel „Kemnat A.D. 1240“, ein Spiel um die Entstehung der ersten Königsurkunde in deutscher Sprache, die am 25.Juli 1240 auf Burg Kemnat, anlässlich eines Besuches König Konrad IV. geschrieben wurde. Im Sommer 1988 gab es erstmals Freilichtaufführungen auf Kemnat, mit mehr als 100 Mitwirkenden. Der Erfolg bei Publikum, Presse, Funk und Fernsehen förderte den Wunsch, diese Burgspiele zu einer festen Einrichtung werden zu lassen. Peter Pius Irl erklärte sich bereit, die künstlerische Leitung des Burgspielvereins zu übernehmen und auch als Hausautor weitere Stücke für die Kemnater Freilichtbühne zu schreiben und zu inszenieren. Die großen Freilichtspiele alle 3 Jahre sind längst weit über die schwäbischen Grenzen hinaus bekannt und locken Tausende von Besuchern an.

Die fidele Gerichtverhandlung 1924 gespielt von den Gründungsmitgliedern des Vereins: Lehrer Höfer, Michael Schindele ( 1.Vorstand des Theatervereins 1925-1929), Martin Bucher.

“Das Kreuz im Altmühltal” Premiere 20.11.1931

Das Jahr 1996 verdient einen besonderen Vermerk in der Geschichte des Theatervereins. Unterhalb der Freilichtbühne am „Römerturm“ konnte der neugebaute Theaterstadel eingeweiht werden. In Eigenleistung, finanziert durch die Eintrittsgelder der Burgspiele, wagte sich die Vorstandschaft mit der Zustimmung des Vereinsmitglieder an dieses Projekt. Für den angewachsenen Kulissen- und Kostümfundus waren an verschiedenen Orten Räume angemietet worden. Alles sollte unter einem Dach nun zusammengeführt werden. Es entstand aber nicht nur eine Lagerhalle, sondern ein Bauwerk, das in die Landschaft passt und in dem man sogar Theater spielen kann. Die eingebaute Bühne wurde bei den Burgspielen 1997 und 2000/2001 genutzt. Bei schlechten Wetter wurden „Die Brunnenkur zu Bickenried“ und „Crescentia von Kaufbeuren“ im Theaterstadel aufgeführt.

2007 wurde der Theaterstadel für unsere Aufführung "Die Deutschen Kleinstädter" in ein Kammertheater mit einem wunderbaren Proszeniumsrahmen ausgebaut.

Um aber in der Zwischenzeit nicht aus der spielerischen Übung zu kommen, gibt es einen „Tag auf der Burg“ mit buntem Programm für Alt und Jung, in dessen Mittelpunkt auch immer ein Theaterstück steht.